Organspende - vom Spender zum Empfänger


Transplantation

Oft reden wir nur über den Organspender, aber damit eine Organtransplantation auch zustande kommen kann, braucht es einen zweiten Part: den Spendenempfänger. Jemand, der aus welchem Grund auch immer nun auf der Transplantationsliste steht und wartet. Und warten klingt erstmal halb so wild, bis man versteht was wirklich dahinter steckt.

Wir reden nämlich nicht vom Warten von ein, zwei Wochen oder Monaten, sondern von bis zu ein, zwei Jahren. Je nach Organ sind die Regeln für jemanden, der auf ein Organ wartet sehr streng. Für manche wird dauerhafter zusätzlicher Sauerstoff, Dialyse oder gar ein Kunstherz zu einer lebensnotwendigen Maßnahme. Manchmal darf der Patient nicht mal die Krankenhausstation verlassen oder kann es nicht einmal.


Außerdem muss bei der Listung der „richtige“ Moment abgepasst werden: Dem Patienten muss es so schlecht gehen, dass eine Transplantation die einzige lebensverlängernde Maßnahme darstellt und es muss dem Patienten so schlecht gehen, dass dieser relativ weit oben auf der Transplantationsliste gelistet wird, um möglichst schnell ein Organ zu bekommen. Allerdings muss es dem Patienten auch so gut gehen und der Körper muss noch so stark sein, dass die Chancen gut stehen, dass eine Organtransplantation erfolgreich sein könnte. Es ist also ein Spiel auf kleinem Raum zwischen „mir geht es gut genug, um die OP zu überleben“ und „mir geht es schlecht genug, dass ich nur durch eine Transplantation überlebe.“ Gerade wenn man sich den postoperativen Verlauf nach Lungen- und Herztransplantationen anschaut, sind all die Hürden so imenz, dass ich eine derartige Transplantation als unfassbar großen Schritt sehe. Schließlich lassen sich die Patienten nicht nur auf Komplikationen, Narkose, Immunsupressiva und die OP selbst ein. Meistens treffen sie auch folgende Entscheidungen: Ist es mir all das wert, wenn die Transplantation nicht klappt und ich dann ohne vielleicht noch ein, zwei Jahre länger gelebt hätte? Ist es mir das wert, wenn ich weiß, dass eine Organtransplantation nicht zwangsläufig auch eine Heilung ist, sondern die Chancen groß sind, dass ich entweder das Organ abstoße oder auch bei einem guten Verlauf, ich ein neues nach 5 bis 15 Jahren brauche.

Viele dieser Probleme und Sorgen wären nicht so gravierend, wenn grundsätzlich mehr Organe zur Verfügung stehen würden, wenn es genügend Spender gäbe.

Knapp 10.000 Menschen in Deutschland stehen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Dabei gab es nur 955 Organspender*innen im Jahr 2018. Das sind durchschnittlich 11,5 Menschen je 1 Mio. Einwohner. Das ist nicht nur wenig, sondern genauer gesagt so wenig, dass etwa 3 Menschen pro Tag sterben, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ bekommen haben. 2018 waren es in Deutschland allein 501 Menschen. Im selben Jahr wurden 5.000 Menschen neu gelistet.

All diese Menschen warten auf ein passendes Organ. Die meisten auf eine Niere, aber einige auch auf kombinierte Transplantationen mehrerer Organe.

Hirntod

Dies bedeutet also, dass jemand nur zu einem Organspender wird, wenn dieser hirntot ist. Und genau da liegt das Problem: die Wahrscheinlichkeit einen Hirntod zu erleiden ist gar nicht mal so groß im Vergleich zu vielen anderen Todesursachen. Selbst wenn also jeder Mensch automatisch als Organspender eingetragen wäre, würde nicht jeder spenden. Da nun so wenige Menschen jedoch Organspender sind und davon auch nicht jeder spenden wird (da nicht jeder davon einen Hirntod erleidet), ist die Anzahl der überhaupt verfügbaren Organe umso geringer.


Doch was genau ist der Hirntod?

Er wird ausgelöst durch eine schwere und irreversible (unumkehrbare, nicht rückgängig zu machende) Hirnschädigung, zum Beispiel durch eine Hirnblutung, ein Hirntumor, durch einen Unfall oder Schlaganfall. Das gesamte Gehirn (Großhirn, Kleinhirn, Hirnstamm) fällt aus.

Nun beginnt ein kleines Zeitfenster, in dem es möglich ist, das Herz-Kreislauf-System der/des Verstorbenen mithilfe von intensivmedizinischen Maßnahmen künstlich aufrecht zu erhalten.

Das Ziel dabei ist es, lebenswichtige Organe so weiterhin zu durchbluten, bis sie transplantiert werden können. Nicht jede Hirnschädigung führt direkt zur Schädigung der Organe, und dann käme dieser Patient als Organspender in Frage. Fällt die Funktion des Hirns aus, bedeutet dies, dass als Folge das Herz aufhört zu schlagen und dadurch der Körper nicht mehr weiter mit Sauerstoff versorgt wird. Dies führt dazu, dass die Organe versagen. Medizinische Maßnahmen „ersetzen“ bei der Vorbereitung auf eine Organspende die Funktion des Gehirns, die Organe am Leben zu halten. Die eigenständigen Funktionen des Gehirns selbst (Motorik, Sprache, Denken, Schmerzen, Fühlen, Atmen etc.) kann nicht ersetzt oder wieder hergestellt werden. So ist der/die Patient/in hirntot.

Beim Hirntod fällt auch der Hirnstamm aus. Dort liegen viele wichtige Nervenbahnen, die zu Reflexen führen.

Der Hirntod muss durch zwei Ärzte unabhängig voneinander diagnostiziert werden. Dabei muss folgendes geklärt werden:

1.) Ist wirklich das Gehirn geschädigt, oder gibt es eine andere Ursache für diese Bewusstlosigkeit? (Intoxikation, Alkohol, Koma, Medikamente etc.)

2.) Fehlen die Hirnstammreflexe?

3.) Ist ein Atemstillstand (Ausfall des Selbstständigen Atmens) eingetreten?

4.) Fehlt die Hirnaktivität? Ausfall der Hirnströme erkennbar im EEG (Elektroencephalogramm)

Nur wenn all diese Kriterien erfüllt sind, zählt der Patient wirklich als hirntot.

Abhängig vom Alter des potentiellen Organspenders, müssen diese Untersuchungen in einem gewissen Zeitabstand über einen bestimmten Zeitraum hinweg durchgeführt werden. Bei erwachsenen Menschen: zweimal im Abstand von mindestens 12 Stunden. Bei jüngeren Kindern länger. Alle Untersuchungen und Wartezeiten sind rechtlich genau geregelt.

Alle Ergebnisse werden immerzu protokolliert. Angehörige können diese Protokolle einsehen oder bei den Untersuchungen dabei sein.

Ablauf der Organspende

Eine Organspende kann nur dann erfolgen, wenn rechtliche und medizinische Voraussetzungen erfüllt sind.

1.) Hirntod (unumkehrbarer Ausfall der gesamten Hirnfunktionen)

2.) Zustimmung des/r Patienten/in zur Organspende

Die Spenderorgane werden bei der Entnahme genauestens untersucht. Außerdem werden Gewebemerkmale und die Blutgruppe bestimmt.


Das zu erwartende Ergebnis nach der Transplantation wird unter anderem anhand der individuellen Merkmale von Spender und Empfänger vorhergesagt

- Generelle Voraussetzungen: Butgruppe, Alter des Spenders, Virologie-Status (Infektionen, Impfungen, Resestenzen etc.), Domino-Spende, Sepsis, Meningitis, Tumorerkrankungen, Intravenöse Medikamenten missbrauch,

- Herz: Größe des Spenders in Kombination mit dem Geschlecht, Antikörper- u. Immunsystemstatus

- Lunge: Lungenvolumen, Lungenkapazität (Kombination aus Alter, Geschlecht, Größe), Immunsystem

- Leber: Spende im Größeren lokalen Umkreis, unter 65, BMI unter 30, Gewicht

- Organspezifische Kriterien


- Regelmäßige Überprüfung der Indikation zur Transplantation im Rahmen von ambulanten Kontrolluntersuchungen

- Sofortige Meldung beim Transplantationszentrum, falls ein temporärer (vorübergehender) Hinderungsgrund für die Transplantation vorliegt (z.B. Krankheit, familiäre Gründe oder eine nicht verschiebbare Reise)

- Der Patient sollte immer über seinen Status auf der Warteliste (T für „transplantabel“ /NT für „derzeit nicht transplantabel“) informiert sein.

- Ein Patient, der als transplantabel auf der Warteliste geführt wird, muss vom Zeitpunkt seiner Meldung bei Eurotransplant immer, Tag und Nacht, telefonisch über Mobilfunk oder Festnetz erreichbar sein. Dies kann entscheidend für eine Transplantation sein. Ein nicht erreichbarer Patient verpasst womöglich die Chance auf eine Transplantation und damit auf ein „zweites Leben“. Aus diesem Grund ist es auch außerordentlich wichtig, dass der Patient jede Änderung seiner Telefonnummern sofort dem Transplantationszentrum mitteilt.


Woher bekomme ich einen Organspendeausweis?

Nun stellt sich die Frage, woher man einen Organspendeausweis bekommt. Diese sind erhältlich bei Apotheken, Hausärzten, in Krankenhäusern und bei Krankenkassen. Man kann auch telefonisch einen bestellen: 0800 – 90 40 400 (Kostenlose Hotline der BZgA und DSO)

Oder per Mail z.B. bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) unter order@bzga.de



Fazit


Persönliche Meinung:

Deutschland ist mit 7 weiteren Ländern Mitglied von Eurotransplant, einer Stiftung, die für die Zuteilung von Organen zwischen diesen Mitgliedsländern verantwortlich sind. Dabei gehören zu den Mitgliedsländern auch solche, in denen die Widerspruchslösung längst gilt. Im Einzugsgebiet von Eurotransplant leben somit etwa 137 Mio. Menschen. Aktuell stehen etwa 14.000 Menschen bei Eurotransplant auf der Warteliste und da die Anzahl der potentiellen Spender so groß ist, ist die Chance größer, den richtigen Spender zu finden.

Meiner Meinung nach ist es großartig, dass die Länder untereinander kooperieren. Was ich jedoch nicht verstehe – um es freundlich auszudrücken – ist, wie es sein kann, dass ein Land wie Deutschland die ganze Zeit Organe aus Ländern bezieht, wo die Widerspruchslösung gilt, ohne selbst die Widerspruchlösung geltend zu haben.

Würde die Widerspruchslösung in Deutschland etabliert worden sein, würden mehr Organe ist Deutschland zur Transplantation zur Verfügung stehen. Und dann könne man auch national mehr Menschen die Chance auf ein neues Leben geben. Dadurch würde es viele Vorteile geben, wie Reduktion der potentiellen Organschäden, da die Transportwege viel kürzer wären. Natürlich brauchen wir so solidarische Lösungen wie Eurotransplant. Gerade wenn jemand eine seltene Blutgruppe etc. hat. Dennoch wäre es nicht verkehrt, das Einzugsgebiet noch größer zu machen, indem in Deutschland mehr Leute potentielle Spender werden.



Ich möchte aufklären, sensibilisieren und auf das Thema Organspende aufmerksam machen. Niemand weiß wann oder ob er jemals in die Lage kommen wird, Organspender sein zu können.

Daher möchte ich mit diesem Beitrag niemandem eine bestimmte Meinung aufzwingen, sondern andere dazu anregen, sich erst einmal überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen. Ich bin der Meinung, dass nur wenn wir uns gut über ein Thema informieren, können wir überhaupt eine fundierte Entscheidung treffen. Wie bereits beschrieben, kann man seine Meinung zu dem Thema und auf dem Organspendeausweis jederzeit ändern.

Aber vielleicht sollten wir uns mit dem Thema beschäftigen, denn oft ändert sich nur etwas, wenn es unbequem ist. Und eine (vorläufige) Entscheidung kann in diesem Fall nicht früh genug sein.

Vielen Dank, dass du vorbei schaust!

Ich bin Sabrina und lebe mit einer angeborenen Herzerkrankung. Doch ich bin mehr als meine Diagnose. Ich bin Bloggerin, Coach und Speakerin. Klicke hier um mehr zu erfahren!

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